Wicky – eine alte Kämpferseele sucht ihren letzten sicheren Hafen

„Die Besitzerin ist verstorben, die Katze ist echt böse – wir möchten sie nicht.“

So spricht man über mich.
Als wäre ich nur ein Problem.
Als hätte ich kein Herz.

Dabei habe ich alles verloren.

Mein Mensch ist gegangen. Für immer.
Mein Zuhause, mein Geruch, meine vertrauten Geräusche – einfach weg.
Und plötzlich stand ich da. In einer Transportbox. In fremden Händen. In einer Welt, die sich kalt und laut anfühlt.

Ja, ich fauche.
Ja, ich schlage auch mal nach.
Ja, ich mache es den Menschen nicht leicht.

Aber hast du schon einmal gesehen, wie sich Trauer anfühlt, wenn man sie nicht in Worte fassen kann?
Wenn man nicht versteht, warum der eigene Mensch nie wiederkommt?

Ich bin eine alte Dame. Schwarz. Mit grauen Härchen im Gesicht und noch mehr Erinnerungen im Herzen.
Ich bin stolz. Ich habe Würde.
Und ich habe gelernt, dass man sich schützen muss.

Also halte ich Abstand.
Ich baue Mauern.
Ich zeige Zähne, bevor mir jemand wieder zu nahekommt.

Nicht, weil ich böse bin.
Sondern weil ich Angst habe.
Weil ich nicht noch einmal alles verlieren möchte.

Vielleicht bin ich nicht die Katze, die schnurrend auf jeden Schoß springt.
Vielleicht brauche ich Zeit. Viel Zeit.
Vielleicht werde ich immer ein bisschen fauchig bleiben.

Aber irgendwo unter all dem sitzt eine Seele, die einfach nur müde ist.
Müde vom Kämpfen.
Müde vom Starksein.
Müde vom Alleinsein.

Ich wünsche mir keinen Trubel.
Keine anderen Katzen.
Keine Hunde.
Keine Kinder.

Nur einen ruhigen, erfahrenen Menschen.
Jemanden, der versteht, dass Vertrauen nicht eingefordert, sondern verdient wird.
Jemanden, der nicht zurückschreckt, wenn ich erst einmal „Nein“ sage.

Für mein Alter bin ich übrigens erstaunlich fit. Meine Blutwerte sind gut.
Ich bekomme Nierenfutter, hatte einmal kleine Kristalle im Urin – da sollte man meinen Urinabsatz einfach ein wenig im Auge behalten, mehr nicht.
Außerdem habe ich leichte Probleme mit der Schilddrüse, die gut behandelbar sind und mich im Alltag nicht einschränken.

Mein Körper ist vielleicht alt.
Aber mein Herz schlägt noch.

Vielleicht nicht laut.
Vielleicht nicht sofort für dich.
Aber wenn du Geduld hast, könnte es eines Tages in deiner Nähe ruhiger schlagen.

Ich sitze hier in meiner Box.
Mit strengem Blick. Mit Abstand. Mit Würde.

Und ganz tief drinnen – mit einem kleinen, vorsichtigen Funken Hoffnung,
dass irgendwo da draußen ein Mensch ist,
der nicht nur mein Fauchen hört,
sondern auch mein gebrochenes Herz.

 

Wenn Sie sich für Wicky interessieren, senden Sie uns bitte per ausreichend frankierter Post oder E-Mail einen ausgefüllten Interessentenfragebogen, der auf unserer Homepage (Startseite) als Download bereitsteht. Danach nimmt eine Mitarbeiterin/ein Mitarbeiter unseres Tierheims Kontakt mit Ihnen auf, um den weiteren Ablauf zu besprechen.

(Stand: 18.02.2026 / LS)