Hallo, mein Name ist Fiona.
Ich bin eine der Siamkatzen, die als Sicherstellung ins Tierheim gekommen sind. Und ich weiß gar nicht mehr so genau, wie ich anfangen soll, von mir zu erzählen.
Vielleicht damit, dass ich einfach nicht mehr kann. Nicht mehr so wie früher.
Als ich hier ankam, hatte ich bereits einige kahle Stellen im Fell. Damals hoffte man noch, dass sich alles wieder einrenkt, wenn ich erst einmal zur Ruhe komme. Aber die Ruhe kam nie. Stattdessen wurden die kahlen Stellen immer mehr. Untersuchung folgte auf Untersuchung, Spezialfutter wurde ausprobiert, Ursachen wurden gesucht. Doch bis heute gibt es keine klare Antwort darauf, warum mein Fell immer weiter verschwindet.
Im Raum steht der Verdacht auf eine Autoimmunerkrankung. Vielleicht ist es das. Vielleicht auch nicht.
Was man aber ganz sicher sagen kann, ist, dass mich die vergangenen Monate verändert haben. Nicht nur äußerlich.
Innerlich bin ich müde geworden. So müde, dass ich irgendwann aufgehört habe, mich gegen all das zu stemmen. Ich lasse die Menschen kommen, ich lasse die Untersuchungen über mich ergehen, ich lasse mich streicheln und ich lasse die Tage vergehen. Nicht, weil ich plötzlich mutig geworden bin, sondern weil mir die Kraft fehlt, noch gegen irgendetwas anzukämpfen.
Ich liege in meinem Körbchen und schaue zu, wie die Welt an mir vorbeizieht. Andere Katzen spielen, erkunden ihre Umgebung oder freuen sich über Aufmerksamkeit. Ich nicht. Ich warte. Tag für Tag.
Worauf, das weiß ich selbst nicht mehr genau.
Vielleicht darauf, dass der Stress endlich aufhört. Vielleicht darauf, dass ich wieder ein Zuhause habe. Vielleicht darauf, dass endlich jemand kommt und erkennt, wie schlecht es mir wirklich geht.
Denn das Schlimmste ist nicht, dass ich Fell verliere.
Das Schlimmste ist, dass ich langsam das Interesse daran verliere, was morgen passiert.
Ich habe außerdem einen Nystagmus, ein unkontrolliertes Zittern der Augen. Damit komme ich zurecht, aber auch das gehört zu meiner Geschichte.
Tatsächlich bin ich damit nicht allein. Viele der Katzen, die gemeinsam mit mir ins Tierheim gekommen sind, weisen körperliche Besonderheiten auf – manche haben verkürzte Ruten, andere Auffälligkeiten, die man nicht immer auf den ersten Blick erkennt. Über unsere Vergangenheit wissen wir nur wenig, deshalb bleiben viele Fragen unbeantwortet. Woher diese Besonderheiten kommen und welche Geschichte dahintersteckt, können wir heute leider nicht sagen.
Ich wünsche mir kein perfektes Zuhause.
Ich wünsche mir einen Ort, an dem ich endlich aufhören darf, nur zu existieren. Einen Ort, an dem ich wieder anfangen kann zu leben.
Ich brauche Ruhe. Ganz viel Ruhe.
Menschen, die verstehen, dass manche Katzen nicht laut um Hilfe rufen. Manche Katzen werden einfach still. Immer stiller. Sie ziehen sich zurück, geben auf und verschwinden Stück für Stück hinter ihrer Traurigkeit.
Genau so eine Katze bin ich geworden.
Deshalb suche ich Menschen mit Geduld, Herz und Erfahrung. Menschen, die mich nicht bedrängen, nicht verändern und nichts von mir verlangen. Menschen, die mir zeigen, dass ich einfach da sein darf – mit all meinen Ängsten, mit meiner Unsicherheit, mit meinem kaputten Fell und mit all den Fragen, auf die es momentan noch keine Antworten gibt.
Ganz wichtig ist für mich ein ruhiger, sozialer Katzenfreund an meiner Seite. Jemand, der mich nicht bedrängt, sondern mir Sicherheit gibt. Eine Katze, die versteht, dass man manchmal einfach nur nebeneinander liegen muss, damit die Welt ein kleines bisschen weniger schwer wirkt.
Ein gesicherter Balkon wäre wundervoll. Die Sonne auf meinem Fell zu spüren, den Wind zu riechen und die Welt aus sicherer Entfernung zu beobachten.
Wer sich für mich interessiert, sollte wissen, dass er sich auf eine Katze einlässt, die Hilfe braucht.
Ich suche Menschen, die bereit sind, sich auf eine gesundheitlich noch nicht vollständig geklärte Situation einzulassen. Der Verdacht auf eine Autoimmunerkrankung steht im Raum, doch eine endgültige Diagnose gibt es bislang nicht. Es können weitere Untersuchungen nötig werden, vielleicht auch Behandlungen. Niemand kann heute versprechen, wie mein Weg aussehen wird.
Deshalb brauche ich Menschen, die nicht nach irgendeiner Katze suchen. Sondern nach genau dieser Katze. Nach mir.
Menschen, die verstehen, dass man manchmal nicht alle Antworten haben kann und trotzdem Ja sagt. Ja zu Verantwortung. Ja zu Fürsorge. Ja zu mir.
Mein neues Zuhause sollte unbedingt ruhig(!) sein. Kleine Kinder oder andere Haustiere würden mich überfordern. Ein verständnisvoller Katzenpartner hingegen ist für mich unverzichtbar.
Und wenn ich mir noch etwas wünschen dürfte, dann wünsche ich mir jemanden, der zwischen all dem lichten Fell, den offenen Fragen und meiner traurigen Art noch die Katze sieht, die ich einmal war. Es gibt diese Fiona noch, die sich sicher fühlen möchte, die neugierig sein möchte und nicht jeden Tag nur darauf wartet, dass die Zeit vergeht.
Ich brauche Menschen, die mich sehen, bevor ich mich ganz aufgebe. Menschen, die mir zeigen, dass es sich lohnt, noch einmal Hoffnung zu haben.
Denn hier im Tierheim werde ich mit jedem Tag ein bisschen stiller.
Und ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass mein Zuhause mich findet, bevor diese Stille alles wird, was von mir übrig bleibt.
Wenn Sie sich für Fiona interessieren, füllen Sie bitte unseren Interessentenbogen online aus und senden ihn uns ausgedruckt oder per Post zu. Anschließend nehmen wir Kontakt mit Ihnen aus, um den weiteren Ablauf zu besprechen.